Street Photography in China

Nachdem ich mich bisher hauptsächlich auf Landschafts- und Städtefotografie konzentrierte, nahm ich meinen Aufenthalt in China (Nanjing, Shanghai, Suzhou) zum Anlass, auch mal eine andere Art der Fotografie auszuprobieren - die Street Photography oder Straßenfotografie .

Und so machte ich mich einige Male auf den Weg, um die Menschen auf der Straße oder in Situationen, die uns nicht alltäglich sind, mit der Kamera einzufangen (bitte auf die Bilder klicken um sie bildschirmfüllend anzuzeigen).

Zuerst hatte ich ein paar Bedenken, doch diese nahmen mir die Chinesen bereits nach kurzer Zeit. Denn nicht zu selten wurden ich und meine Kollegen mehr oder weniger freiwillig Ziel von Schnappschüssen und auch allgemein fotografierten die Chinesen alles, was ihnen vor die Linse kam. Und so legte sich auch bei mir bald die Scheu, Menschen zu fotografieren.

Sonnenschutz

Damen, die etwas auf sich halten, versuchen so gut wie möglich ihren weißen Teint zu behalten. Gebräunte Haut wird gleichgesetzt mit Feldarbeit, wo man den Sonnenstrahlen ausgesetzt ist. Und gerade das möchte man verhindern. Daher ist es üblich, bei Sonnenschein (auch wenn er sich hinter einer Smog-Schicht verbirgt) einen Schirm zum Schutz vor Sonne zu tragen.

Vereinsamung

Einsamkeit bzw. Vereinsamung ist in China ein immer dominanteres Thema. Durch die jahrzehntelange Ein-Kind-Politik sind die Familienverbände sehr klein. Dazu kommt, dass viele Chinesen aufgrund besserer Arbeitsmöglichkeiten aus ihren Dörfern in die großen Städte ziehen und dort wiederum wenig Kontakt zu anderen aufbauen. Stefan Gödde bringt in einer Dokumentation Inside China ein Beispiel, wo ein Unternehmer nachts als Taxi-Fahrer arbeitet, um mit anderen Menschen in Kontakt zu kommen und mit ihnen zu reden.

Verkehr

In Nanjing wohnen über 5 Millionen, in Shanghai sogar 23 Millionen Menschen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass trotz gut ausgebauter U-Bahn Netze das Verkehrsaufkommen in den Städten massiv ist. Neben dem Auto sind Mopeds und Fahrräder die meist genutzten Fahrzeuge. Bis tief in die Nacht sind die Huptöne zu hören, die für unterschiedliche Hinweise verwendet werden.

Mobiltelefon

Das Mobilfunktelefon ist ja in Österreich nicht mehr aus dem alltäglichen Leben wegzudenken. In China jedoch spielt es eine noch viel größere Rolle (zumindest scheint es so). Ob zum Telefonieren, Internet surfen, Fotografieren, Chatten - das Handy ist immer und überall präsent und im Restaurant ersetzt der Chat am Handy sogar das Gespräch mit seinen Freunden, die auch am Tisch sitzen (aber wahrscheinlich "reden" sie ja über WeChat, der beliebtesten Chat-Plattform in China).

Weitere Eindrücke

Abschließend noch ein paar Eindrücke, die ich während einiger Ausflüge und Spaziergänge durch Nanjing, Shanghai und Suzhou eingefangen habe.

Fazit: Meine ersten Schritte in der Street Photography

Das waren nun meine ersten Schritte in der Straßenfotografie. Wenngleich es nicht die letzten Schritte in diesem Genre gewesen sein werden, so denke ich, wird auch weiterhin die Landschaftsfotografie meine Lieblingsdisziplin bleiben.

Gewöhnungsbedürftig ist für mich immer noch, Menschen in ihrem Alltag zu fotografieren. Auf der anderen Seite zeigt es, dass auch der Alltag ganz besondere Momente beinhalten kann. Und dessen sollte man sich immer wieder bewusst werden.

“There is nothing in this world that does not have a decisive moment.” (Kardinal de Retz)

Hinweisen möchte ich noch auf den Blog Soul of Hamburg, auf den ich während meiner Recherchen gestoßen bin. 2 Hamburger Fotografen präsentieren Fotos, die den internationalen Betondschungel (Hamburg) und sein hektisches Treiben mit den ebenso paradox anmutenden Momenten um sie herum zeigen.