Ein Wochenende in Shanghai

"Schanghaien bezeichnet in der Seemannssprache das gewaltsame Rekrutieren von Seeleuten für Kriegs- und Handelsschiffe.

Diese Art der Freiheitsberaubung, auch Pressen genannt, wurde zeitweise auch für die Heeresergänzung angewandt." (Wikipedia)

Mit dieser Anektote, Abenteuerlust und guter Laune ging es für meine Arbeitskollegen und mich übers Wochenende nach Shanghai. Wie es uns dabei erging, ob wir Schanghaid wurden oder doch wieder gut nach Nanjing zurück kamen, kannst du hier nachlesen.

Anreise

Da wir bereits Samstag früh mit dem Zug von Nanjing nach Shanghai fahren wollten, und bis auf einen keiner der chinesischen Sprache mächtig war, besorgten wir uns bereits am Freitag Abend am Bahnhof die Zugtickets (ob ein Schalterbeamter Englisch kann ist leider sehr individuel. Am einfachsten ist es, die Reiseziele in chinesischer Sprache mitzunehmen). Die Zugkarten wurden, ähnlich einem Flugticket, personalisiert ausgestellt und nach rund einer Stunde hatte jeder seine Fahrkarte für den nächsten Tag in der Hand.

Samstag morgen ging es wieder zum Bahnhof, auf dem auch die Abläufe eher einem Flughafen erinnerten - Sicherheitskontrollen beim Eingang, das Gepäck wird gescannt und die Fahrkarte ist einige Male vorzuweisen. In einer Gate-ähnlichen Halle warteten wir, bis wir 15 Minuten vor der geplanten Abfahrt auf die Bahnsteige und in die Züge gelassen wurden. Nach einer kurzen Wagon- und Sitzplatz-Suche ging es dann auch schon mit über 300km/h Richtung Shanghai.

Samstag - Tag 1

Nach dem Einchecken in unserer Unterkunft, dem Blue Mountain Youth Hostel, stärkten wir uns noch bei mehr oder weniger traditionellen chinesischen Speisen. Satt und gespannt, was Shanghai zu bieten hat, starteten wir dann an der East Nanjing Rd. unsere Erkundungstour Richtung Bund.

Am Bund lässt sich gleich eines der Highlights in Shanghai bewundern - die Skyline im Stadtteil Pudong. Erst 1990 wurde der Grundstein für die Sonderwirtschaftszone Pudong und für einen "neuen" Bund gelegt. Und seitdem spriest ein Hochhaus nach dem anderen in die Höhe. Besonders auffallend sind

  • der Oriental Pearl Tower, der mit einer Höhe von 468 Metern Asiens dritthöchster Fernsehturm ist. Auf 3 Aussichtsplattformen (je höher die Plattform umso höher auch der Preis) kann der Blick auf Shanghai von diesem Gebäude aus betrachtet werden.
  • der Shanghai Tower, mit seinen 632 Metern beziehungsweise 128 Etagen das höchste Gebäude Chinas und das dritthöchste Gebäude der Erde. Es ist schon sehr ungewohnt, von der Aussichtsplattform im 119. Stockwerk auf das Shanghai World Financial Center und den Jin Mao Tower, die wiederum auch zu den höchsten Gebäuden der Welt gehören, hinunterzublicken.
  • das Shanghai World Financial Center, das einem Flaschenöffner sehr ähnlich sieht und die zweithöchste Aussichtsplattform der Welt bietet.
  • der Jin Mao Tower, dessen treppenförmige Fasade an eine Pagode und einen Bambus erinnern soll. Seit 2016 ist es auch möglich, auf der Außenseite in luftigen Höhen entlangzugehen.

Bilder dazu findest du etwas weiter unten.

Schon die reinen Zahlen sprechen für sich und sind an Gigantomanie kaum zu überbieten. Da es sich bei diesem Gebiet eigentlich um Sumpfgebiet handelt, wurden Unmengen an Beton rein für die Fundamente benötigt. Alleine im Fundament des Shanghai Towers befinden sich 10.000 Kubikmeter Stahlbeton.

Weiter ging es in die sogenannte "Altstadt" und dem Yuyuan-Bazar. Die Gebäude sind zwar alle recht neu, jedoch in altem Stil erbaut und durch die engen Gassen und dem Teich kommt wenigstens ein bißchen Altstadt-Flair auf (zumindest mit etwas Fantasie). Für den Yuyuan-Garden selbst waren wir schon etwas zu spät dran (Einlass bis 17:00), aber so schlenderten wir noch durch und stöberten in den zahlreichen (Ramsch-) Geschäften.

Der Abend wurde wieder am Bund verbracht, wo wir uns dem Schauspiel aus tausenden bunten Lichtern an den Fasaden der Gebäude in Pudong hingaben.

Am Ende des Abends bekamen wir dann noch eine Lektion, wie man vornehm jemanden hinauskomplimentiert: ein chinesischer Kollege empfahl uns ein Restaurant, das wir auch bald fanden. Schon im Aufzug bemerkten wir, dass wir mit unseren kurzen Hosen, T-Shirts und Turnschuhen vielleicht etwas underdressed waren. Im 3. Stockwerk angekommen empfing uns schon eine Dame, die meinte, wir seien hier im 3. Stock. Alles schön und gut - dahin wollten wir auch. Neben uns wurden Herren in feinem Zwirn und Damen mit kurzen Kleidern dafür hohen Schuhen eingelassen und die Empfangsdame meinte mit etwas mehr Nachdruck nochmals: "You are on the THIRD FLOOR!". Schön langsam dämmerte es dann auch uns, dass dies die höfliche Form war, dass wir hier, in den heiligen Hallen des Kochs, nicht erwünscht waren.

Aber das ganze war nicht so tragisch, fanden wir noch wo anders köstliche Nudeln, Sihuan Hähnchen und Frosch Lachend

Sonntag - Tag 2

Nach dem Frühstück im Hostel war unsere erste Station der Shanghai Tower. Da überraschend wenig Andrang war, ging der Ticketkauf schnell vor sich. Nach einer kleinen Einführung in die Bauweise, die Vorgänge beim Bau und Vergleichen mit anderen Bauwerken rauschten wir mit 18m/s hinauf in den 119. Stock, auf 552m über dem Erdboden. Dort lag uns nun wirklich ganz Shanghai zu Füßen, denn nichts lag höher als wir. Auch auf der Besucherplattform hielt sich der Andrang in Grenzen und so konnten wir relativ ungestört und auch ohne Fotoanfragen der heimischen Bevölkerung einige Runden drehen und die Aussicht genießen. Nach einer kleinen Elektrolyt-Stärkung ging es dann mit dem Aufzug wieder zu Boden.
Am Ende gings durch den obligatorischen Souvenirshop, in dem es sogar kostenlos einen Stempel fürs "Gipfelbuch" zum Abholen gab.

Danach schlenderten wir noch etwas durch Pudong und sahen nun auf die anderen Seite des Huangpu, wo sich der Bund befindet. Der Bund war seit Mitte des 19. Jahrhunderts Sitz der Kolonialmacht und die bedeutendsten Banken, Hotels und Firmen siedelten sich dort an. Nachdem das Viertel während der kommunistischen Ärea ein eher unbedeutendes Dasein fristete, ist es seit rund 15 Jahren wieder ein Hotspot für noble Restaurants, elegante Cocktailbars und jeder Menge Markengeschäfte.

Das letzte Ziel unseres Aufenthalts in Shanghai war der Volksplatz mit dem Shanghai-Museum und dem Shanghai Grand Theatre. Etwas unheimlich wirkt der Wolkenkratzer Tomorrow Square, der mich irgendwie an Herr der Ringe erinnerte...

Mit mehr als 300 Sachen ging es schlußendlich wieder mit dem Zug zurück nach Nanjing.

Mein Resümee

Mir hat Shanghai sehr gut gefallen. Vorallem die Wolkenkratzer in Pudong sind ein "Kunstwerk", die auf dem einen oder anderen Bild noch länger eine Wand bei mir zieren werden. Trotz der Unmengen an Leute ist es sauber und auch relativ geordnet. Die Sehenswürdigkeiten und Plätze sind sowohl zu Fuß als auch mit der U-Bahn leicht zu erreichen. Bist du auch an einigen Museen oder Gärten von innen interessiert, so sind zwei Tage in Shanghai definitiv zu kurz.

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Der Artikel wurde zuletzt am 21.06.2017 geändert.
Das bin ich - Johannes Gruber
Geschrieben von

Reisen, Fotografieren, neues entdecken... Die Brötchen als Softwareentwickler verdienend, bin ich in meiner Freizeit auf der Suche nach neuen Plätzen und halte gerne besondere Momente mit der Kamera fest.

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