Mein Abenteuer ist nicht dein Abenteuer

Abenteuer - Fernab von der Heimat - Sich Gefahren aussetzen - Bis zuletzt die Zweifel, ob man es auch wirklich schaffen wird.

Ich denke, Abenteuer können aber müssen nicht immer so dramatisch sein wie gerade geschildert, und für jeden bedeutet das Wort Abenteuer und die damit verbundenen Gefühle etwas anderes. Angeregt durch die Blogparade Dein Abenteuer ist nicht mein Abenteuer von Florian Blümm möchte ich hier von meinem bisher prägendsten Abenteuer berichten und danach noch auf Florians 4 Thesen zum Thema Abenteuer eingehen.

Das Abenteuer - Ring of Beara

Am Ende meines Praktikumaufenthaltes in Irland entschied ich mich, mit dem Fahrrad den Ring of Beara, eine Halbinsel im Südwesten von Irland, zu umqueren.

Um möglichst keine großen Überraschungen zu erleben, plante ich das Wochenende für mich eher untypisch genau durch. Ich checkte die Busfahrpläne von Dublin nach Killarney, buchte ein Hostel und machte mich mit der Route vertraut. Navigationsgeräte, Internet am Handy und GPS Tracker waren noch nicht sehr verbreitet, darum war es umso wichtiger, Karten auszudrucken und im Internet möglichst viel über die Strecke zu erfahren. Aber es kam dann doch anders...

Am ersten Morgen in Killarney wachte ich bei starkem Regen auf. Nach dem Frühstück sah es noch nicht besser aus und ich überlegte bereits, eine Bustour zu unternehmen. Dann gefiel mir der Gedanke, mit 60 anderen Touristen in einem Bus von A nach B gekarrt zu werden, doch nicht so, und ich machte mich mal auf den Weg zum nächstgelegenen Radshop. Und als ich dort mit der Verkäuferin so über meine Pläne redete, verzogen sich die Wolken und die Sonne kam hervor. Voll motiviert startete ich also mit dem Fahrrad mein Abenteuer.

Das der Morgenregen nicht der einzige an diesem Wochenende sein sollte, bekam ich bereits nach gut einer Stunde zu spüren. Ich hörte irgendwann auf zum Zählen, wie oft es wirklich regnete. Oft gab es zwar nur 10 Minuten Sprühregen, doch es reichte um nass zu werden.

Nach einigen ruhigen Kilometern kam gleich die erste sportliche Herausforderung. Sally Gap stellte sich um einiges steiler und länger heraus als angenommen. Eigentlich wollte ich um die 20 Kilometer pro Stunde zurücklegen. Doch aufgrund der vielen Steigungen benötigte ich schon für die Strecke bis Kenmare (20 Kilometer) rund zwei Stunden. Zu diesem Zeitpunkt war ich aber noch sehr zuversichtlich, bis zum Abend meine geplante Strecke fahren zu können. Aber wie es bei Abenteuer nicht unüblich ist, stellten sich manchmal unerwartete Fragen, die garnicht so einfach zu beantworten waren:

  • Biege ich ab zur Costal Road mit wunderbarer Aussicht aber ungewisser Fahrdauer, oder nehme ich doch die geplante Route, aber ohne traumhaftem Panorama?
  • Fahre ich links wieder etwas zurück und nochmals über einen Pass (der auch mal wirklich Pass hieß - Healy Pass) oder halte ich mich rechts und fahre noch weiter weg von Killarney, wo ich aber nicht sicher war, ob es sich bis zum Einbruch der Dunkelheit in den nächsten Ort ausgeht.

Der Grat zwischen "noch mehr sehen wollen" und Sicherheit ist bei Abenteuern manchmal sehr schmal. Klar möchte man soviel wie möglich sehen und nicht nur etwas umrunden wollen, um mal dort gewesen zu sein. Auf der anderen Seite ist man oft durch Unterkünfte oder Flüge eingeschränkt und das Verfallenlassen kann kostspielig werden.

Ich versuchte durch das Fragen der Einheimischen und der Rekapitulation meiner bisherigen Erfahrungen einen Mittelweg zu finden. Und am Ende des Tages ging sich alles wunderbar aus. Ich fuhr entlang menschen- und autoleerer Küstenstraßen, passierte unzählige Kuh- und Schafherden (auch mitten auf der Straße), hatte wunderbare Ausblicke auf die Küste und die umlagernden Inseln und ich erreichte Castletownbeara vor Einbruch der Dunkelheit.

Am nächsten Morgen startete ich gestärkt mit einem typischen irischen Frühstück in den 2. Tag. Zuerst ging es gut voran, das Wetter passte und die Steigungen hielten sich in Grenzen. Doch bald setzte wieder Regen ein und die Anstrengungen des gestrigen Tages gingen auch nicht spurlos an mir vorrüber. Am Healy Pass begann ich das ganze Abenteuer schon zu verfluchen. Denn neben den äußeren Umständen kam an diesem Tag noch hinzu, dass ich unbedingt vor Geschäftsschluss zurück in Killarney sein musste, um das Fahrrad zurückzugeben. Denn am nächsten Tag ging mein Flieger zurück nach Österreich.

In Kenmare stellte sich wieder mal die Frage, ob ich eine Route mit Pass oder eine ohne Pass, aber dafür um ungefähr 10 Kilometer länger, nehmen sollte. Meiner Meinung nach ist bei Abenteuern eine sehr wichtige Gabe, auch unter widrigen körperlichen und äußeren Umständen eine sachliche Analyse durchführen zu können. Abzuwägen, was das vernünftigste ist und die Nerven nicht zu verlieren kann entscheiden, ob es im Nachhinein ein aufregendes Abenteuer oder eine Katastrophe, die man lieber vergisst, war.

Ich entschied mich für die flachere Variante und hoffte auf etwas Rückenwind. Nach 40 weiteren Kilometern und einige Regenschauer später sah ich dann um 16:45 das Ortsschild von Killarney. Es kann sich vermutlich keiner vorstellen, welche Erleichterung in mir aufkam, dass ich alles ausging. Sogar die Verkäuferin im Radgeschäft freute sich mit mir und gratulierte mir zu meiner Umrundung.

Ich war glücklich am Ende meines Abenteuers angelangt!

Die 4 Thesen von Florian und meine Meinung dazu

Florian stellte in seinem Blogeintrag die folgenden vier Thesen zu diesem Thema auf:

  1. Ein Abenteuer hängt von Erfahrung ab
  2. Ein Abenteuer ist subjektiv
  3. Ein Abenteuer musst Du Dir verdienen
  4. Ein Abenteuer ist oft überraschend

Den ersten beiden Punkte kann ich nur voll zustimmen. Die Umrundung des Ring of Beara mit dem Rad kostet einem Radrennfahrer wahrscheinlich nur ein müdes Lächeln, denn er fährt solche Strecken regelmäßig. Für mich war es jedoch eine große körperliche Herausforderung, die auch meine Gedanken manchmal etwas verrückt spielen hat lassen. Ich weiß nicht, ob es auch ein Abenteuer geworden wäre, wenn ich 4 Tage für die Strecke Zeit gehabt hätte. Ich denke schon, eventuell hätte ich mir einfach mehr Zeit gelassen oder die eine oder andere Pause mehr eingelegt. Daher stimme ich dem 3. Punkt nur teilweise zu. Und zum 4. Punkt sage ich nur, dass das ganze Leben voller Überraschungen ist, daher fange ich damit im Zusammenhang mit Abenteuern nicht soviel an.

Noch mehr Abenteuer auf Lager?

Ich hatte die großartige Möglichkeit, mein Pflichtpraktikum bei der Firma ISCN in Irland zu absolvieren. Welche Abenteuer ich in diesen vier Monaten noch erlebte (unter anderem befand ich mich an der Grenze zum Abgrund auf bei den Cliffs of Moher), kannst du in meinem Irland Blog nachlesen.

Was war dein bisher größtes Abenteuer? Muss ein Abenteuer immer fern weg von zuhause passieren oder wartet nicht schon auch eines im nächstgelegenen Wald? Schreib mir von deinen Abenteuern oder poste Links zu Bildern davon. Ich freue mich darauf!

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Der Artikel wurde zuletzt am 09.10.2017 geändert.
Das bin ich - Johannes Gruber
Geschrieben von

Reisen, Fotografieren, neues entdecken... Die Brötchen in der Software-Entwicklung verdienend, bin ich in meiner Freizeit auf der Suche nach neuen Plätzen und halte gerne besondere Momente mit der Kamera fest.

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